Über den Tellerrand
Über den Tellerrand
Gastbeiträge aus unserem Partnernetzwerk

3 Fragen an Martin Jeker «Eine Nachfolgefinanzierung sollte in fünf bis maximal sieben Jahren zurückgeführt werden können»

Für viele Kaufinteressenten stellt sich im Kaufprozess bereits früh die Frage nach der Finanzierung der Transaktion. Eine Unternehmensübernahme lässt sich auf verschiedene Arten finanzieren, die klassischste Form ist trotz vieler neuer Finanzierungsoptionen nach wie vor der Bankkredit. Wir haben Martin Jeker, Firmenkundenberater bei Raiffeisen Schweiz, gefragt, wie bei Finanzierungsanfragen vorgegangen wird und worauf potenzielle Käufer bei der Antragstellung achten sollten.

Nachfolgefinanzierung Unternehmensverkauf
Nachfolgefinanzierung Unternehmensverkauf

Viele Firmenkäufer sind beim Erwerb eines Unternehmens auf eine Fremdfinanzierung angewiesen. Wie gehen Sie bei der Prüfung derlei Kreditanfragen üblicherweise vor und welcher Käufer-Typus fragt Nachfolgefinanzierungen an?

Martin Jeker: Wir treffen den interessierten Firmenkäufer zu einem Erstgespräch, an dem wir uns kennenlernen, der potenzielle Käufer seine Motivation und sein Projekt für die geplante Firmenübernahme vorstellt und wir ihm als Bank aufzeigen, wie die Finanzierungsstruktur für eine solche Firmenübernahme aussehen könnte und welche Unterlagen wir zur detaillierten Prüfung benötigen. In einer zweiten Phase prüfen wir die Finanzierung anhand der vollständigen Unterlagen und einem erneuten Kundengespräch. Wenn bei Raiffeisen die definitive Kreditbewilligung vorliegt, wird die vollständige Kreditdokumentation erstellt und wir begleiten den Käufer bis zur effektiven Firmenübernahme. In 75 Prozent der Nachfolgefinanzierungen, die wir prüfen, handelt es sich um klassische MBI (Management Buy In). Teilweise handelt es sich auch um MBO (Management Buy Out), wo die Hauptherausforderung oft bei den eher gering vorhandenen Eigenmitteln liegt. Familienbasierte Nachfolgefinanzierungen sind eher die Ausnahme, da die Finanzierung meistens familienintern geregelt wird. Zunehmend treffen wir im Rahmen von Nachfolgeregelungen auch auf institutionelle Käufer und Family Offices, welche ihr Vermögen diversifizieren möchten und sich bei ertragsstarken KMU eine überdurchschnittliche Rendite erhoffen.

Gibt es einen ungefähren Richtwert, wie viel Eigenkapital ein (privater) Käufer für den Erwerb einer Firma einbringen muss?

Martin Jeker: Der Käufer sollte sicher mindestens 25% des Kaufpreises an Eigenmitteln einbringen können. Wir als Bank verlangen auch mindestens 20% an Eigenmitteln für den Erwerb von privatem Wohneigentum. Falls weniger Eigenmittel vorhanden sind, können diese oftmals durch wirtschaftliches Eigenkapital kompensiert werden, beispielsweise wenn der Verkäufer sich bereit erklärt, einen Teil des Kaufpreises als nachrangiges Darlehen stehenzulassen. Generell sollte die Tragbarkeit einer Nachfolgefinanzierung gegeben sein, das heisst, dass die Verzinsung und die jährlichen Amortisationen durch die nachhaltigen Free Cash Flows sichergestellt werden können. Zudem sollte eine Nachfolgefinanzierung in fünf bis maximal sieben Jahren zurückgeführt werden können. Wichtig sind vor allem auch die weichen Faktoren, das heisst, die Bank muss von der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells und von den fachlichen Fähigkeiten des Käufers überzeugt sein.

Aus Ihrer Erfahrung: Welche drei Tipps geben Sie einem Übernehmer mit auf den Weg?

Martin Jeker: Sie als Übernehmer sollten sich im Vorfeld ausreichend Gedanken machen, was für eine Firma für Sie in Frage kommt und wie Sie Ihre Erfahrungen und Fähigkeiten am besten einbringen können. Unternehmer zu werden, sollte zudem Ihre Berufung sein und die Übergabe der Firma sollte geordnet ablaufen. Im Idealfall können Sie den Verkäufer dazu bewegen, noch drei bis sechs Monate im Unternehmen tätig zu sein, um Sie bei den wichtigsten Kunden und Lieferanten vorzustellen und in die internen Prozesse einzuführen.

Artikel teilen

Datum
Autor
Business Broker AG
URL
https://www.businessbroker.ch/de/aus-der-praxis/ueber-den-tellerrand/1501/eine-nachfolgefinanzierung-sollte-in-fuenf-bis-maximal-sieben-jahren-zurueckgefuehrt-werden-koennen