Verkauf der Druckereigruppe Aprint Holding SAAurélie Bovigny, Senior Consultant, Business Broker AG

Eine Erfolgsgeschichte aus der Praxis Verkauf der Druckereigruppe Aprint Holding SA

Aurélie Bovigny ist seit 2013 bei der Business Broker AG tätig und hat für über 40 KMU erfolgreich die Nachfolge geregelt. Im Jahr 2019 konnte sie den Verkauf der Westschweizer Druckereigruppe Aprint Holding SA begleiten. Im Interview spricht sie über den Röstigraben und die Relevanz des Zwischenmenschlichen.

Aurélie Bovigny, du hast die ehemaligen Eigentümer der Aprint Holding SA beim Verkauf begleitet. Kannst du das Unternehmen kurz vorstellen?

Aurélie Bovigny: «Die Aprint Holding SA ist eine bekannte Druckereigruppe aus der Westschweiz, die bis zum Verkauf im Besitz von drei Privataktionären war. Die Holding besteht ihrerseits aus drei Unternehmen, die jeweils auf eine bestimmte Sparte spezialisiert sind. So werden neben der Erbringung von klassischen Druckdienstleistungen beispielsweise auch Verpackungen für die Pharma- und Luxusindustrie hergestellt. Insgesamt werden rund 70 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Business Broker AG wurde Anfang 2019 mit dem Verkauf der Aprint Holding SA betraut. Schon nach relativ kurzer Zeit konnten wir eine Druckereigruppe aus der Deutschschweiz, die in einem ähnlichen, aber dennoch komplementären Markt tätig ist, auf das attraktive Angebot aufmerksam machen. Durch die Übernahme können heute zahlreiche Synergien optimal genutzt werden.»

Wie lief der Verkaufsprozess ab?

Aurélie Bovigny: «Vom Zeitpunkt der Auftragserteilung bis zur Vertragsunterzeichnung vergingen rund 9 Monate. Während dieser Zeit wurden parallel Gespräche mit drei interessierten Kaufparteien geführt. Aufgrund der Grössenordnung der Transaktion waren primär andere Unternehmen aus der Druckereibranche, die eine strategische Akquisition anstreben, an einer Übernahme interessiert.»

Was waren aus deiner Sicht die grössten Herausforderungen?

Aurélie Bovigny: «Speziell an diesem Verkauf war die Tatsache, dass verkäuferseitig mit drei Aktionären auch drei Personen mit unterschiedlichen Erwartungen und Vorstellungen in den Prozess involviert waren. Daher war es für mich wichtig, dass ich mit jedem einzelnen von Anfang an die individuelle Erwartungshaltung klären und so einen Konsens schaffen konnte, um die Interessen der Eigentümerschaft angemessen vertreten zu können. Dazu kam, dass es sich beim Verkaufsobjekt um ein komplexes Konstrukt handelte, das aus einer Holding mit mehreren Tochtergesellschaften bestand.

Speziell an diesem Verkauf war die Tatsache, dass verkäuferseitig mit drei Aktionären auch drei Personen mit unterschiedlichen Erwartungen und Vorstellungen in den Prozess involviert waren.

Eine weitere Herausforderung stellte die Druckereibranche an sich dar, die in den letzten Jahren einen Wandel durchlebt hat und per se sowohl in finanzieller Hinsicht wie auch in Bezug auf zukünftige Entwicklungen nicht mehr ganz so attraktiv ist wie früher. Deshalb war es umso wichtiger, aufzuzeigen, wie gewinnbringend Aprint sich in einem Nischenmarkt positionieren konnte und welch hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten bestehen.

Der Verkauf erfolgte schlussendlich an einen Player aus der Deutschschweiz. Dabei waren besonders die Verhandlungen über den Röstigraben hinweg anspruchsvoll. Den Röstigraben gibt es übrigens wirklich! Die Sprachbarriere war anfangs sicherlich auch ein Hindernis, sowohl bei den Verhandlungen wie auch bei der späteren Vertragsausgestaltung. Nach mehreren gemeinsamen Gesprächen waren sich aber beide Parteien einig, dass ein Zusammenschluss primär eines war und ist: Eine grosse Chance. Entstanden ist die erste national tätige Druckereigruppe der Schweiz.»

Insbesondere die Verhandlungen über den Röstigraben hinweg waren anspruchsvoll. Den Röstigraben gibt es übrigens wirklich!

Inwiefern hat dir deine langjährige Erfahrung geholfen?

Aurélie Bovigny: «Um solch einen komplexen Case erfolgreich abschliessen zu können, braucht man vor allem Prozesserfahrung. Es ist zentral, die Erwartungen der Kunden abzuholen sowie die Risiken der Transaktion richtig einzuschätzen. Dies gelingt nur, wenn man bereits mehrere KMU-Eigentümer beim Verkauf begleiten konnte. Erfahrung hilft zudem, geeignete Kandidaten schneller zu identifizieren und dadurch den Prozess effizient zu gestalten. Beim Verkauf der Aprint Holding SA waren während den Verhandlungen zahlreiche Personen involviert, da die Käuferpartei ihrerseits auch Berater hinzuzog. Gerade während dieser heiklen Phase des Prozesses war es wichtig, dass ich die Rolle einer neutralen Vermittlerin zwischen den Parteien einnehmen konnte. Durch Transaktionserfahrung steigt nicht zuletzt die eigene Expertise, wodurch man automatisch auch durchsetzungs- und verhandlungsstärker wird.»

Wie hast du die Verkäufer- und die Käuferpartei erlebt? Hat es da von Anfang an gefunkt?

Aurélie Bovigny: «Rückblickend kann ich sagen, dass bereits das erste Treffen sehr positiv verlaufen ist und zwischen den Verkäufern und dem Käufer von Anfang an ein Vertrauensverhältnis bestand. Insbesondere der Hauptaktionär und der Käufer haben sich nicht nur auf der geschäftlichen, sondern auch auf privater Ebene auf Anhieb gut verstanden. Auch in Bezug auf die Vorstellung der Zukunft der Aprint Holding AG waren sie von Beginn an auf einer Wellenlänge. Wenn das Zwischenmenschliche stimmt, verlaufen die Verhandlungen auch «zügiger».»

Zwischen den Verkäufern und dem Käufer bestand von Anfang an ein Vertrauensverhältnis. Wenn das Zwischenmenschliche stimmt, verlaufen die Verhandlungen auch zügiger.

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