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Firmenbewertung: Eine Wissenschaft für sich

Arnaud Touron

von Arnaud Touron | Kommentare

Bei der Bewertung von KMU gibt es keinen richtigen oder falschen Wert. Die Kunst liegt in einem ausgewogenen Mix der anerkannten Methoden in Kombination mit transaktionsbasierten Erfahrungswerten, um eine realistische Wertbandbreite zu ermitteln.

Die Preisfestsetzung beim Verkauf eines KMU ist eine Wissenschaft für sich. Denn eine fundierte Beurteilung erfordert nicht nur vertiefte Kenntnis über die verschiedenen Bewertungsmethoden, sondern setzt in der Praxis auch voraus, dass die Erwartungen des Verkäufers wie auch die Möglichkeiten des Käufers berücksichtigt werden. Deshalb möchte ich die Thematik aus drei verschiedenen Perspektiven skizzieren:

Theoretischer Firmenwert: Die verschiedenen Bewertungsmethoden

Es existiert eine Vielzahl an Bewertungsmethoden, die sich in drei Hauptkategorien unterteilen lassen: Substanzwertmethode, die Ertragswertmethoden und die Marktwertmethode. Ich werde die verschiedenen Methoden mit ihren Eigenheiten kurz vorstellen. Bei weiterführendem Interesse erhalten Sie eine detaillierte Ausführung mit allen wichtigen Informationen hier.

  • Um den Substanzwert zu errechnen, wird die Summe der Verbindlichkeiten von den Aktiven (Gesamtvermögen) abgezogen. Berücksichtigt werden müssen dabei beispielsweise auch stille Reserven oder latente Steuern.
  • Die Ertragswertmethoden sind da schon etwas komplexer. Sie unterteilen sich in die einfache Ertragswertmethode sowie die gängigere «Discounted Cash Flow Methode». Das Unternehmen wird anhand der zu erwartenden Ertragsströme, die aufgrund der vorhandenen Substanz in Zukunft erwirtschaftet werden, bewertet. Die Erträge werden auf den Zeitpunkt der Bewertung angepasst, wobei ein wichtiges Stichwort der Zeitwert des Geldes ist. Aus diesem Grund muss der Kapitalkostensatz, mit dem die zeitverzögerten Einnahmeströme diskontiert werden, bestimmt werden.
  • Die Marktwertmethode kommt dem realistischen Wert am nächsten. Für die Berechnung werden buchhalterische Kennzahlen (wie Umsatz, EBITDA, EBIT) sowie entsprechende Multiples (Multiplikatoren) benötigt. Nahe an die Realität kommt der Wert deshalb, weil der Multiple auf Erfahrungswerten aus in der Vergangenheit durchgeführten Transaktionen beruht. Es werden also Werte von bereits verkaufte Firmen hinzugezogen, wobei die effektiv realisierten Verkaufspreise berücksichtigt werden können. Anders als bei börsenkotierten Unternehmen besteht die Schwierigkeit bei KMU darin, dass es keine allgemein gültigen Werte gibt. Durch die Erfahrung aus über 600 erfolgreich abgeschlossenen Firmentransaktionen ist es der Business Broker AG gelungen, eine umfassende Datenbank aus Transaktions-Multiples aufzubauen, die für die unterschiedlichsten Branchen Gültigkeit haben.

Bei der Bewertung von KMU gibt es keinen richtigen oder falschen Wert. Abgesehen von den «nackten Zahlen» spielen immer auch die Branche, die Art des Unternehmens sowie die Stakeholder eine zentrale Rolle. Deshalb empfiehlt es sich, einen ganzheitlichen Ansatz zu wählen und die verschiedenen Bewertungsmodelle zu kombinieren. Die Kunst liegt in einem ausgewogenen Mix der anerkannten Methoden in Kombination mit transaktionsbasierten Erfahrungswerten, um eine realistische Wertbandbreite zu ermitteln. 

Emotionaler Firmenwert: Der Inhaber veräussert sein Lebenswerk

In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass der theoretisch errechnete Firmenwert nicht dem Wert entspricht, den sich der Eigentümer für sein KMU vorstellt. In der Regel tendieren Verkäufer dazu, den Wert ihres Unternehmens zu überschätzen. Denn der Wert beinhaltet – verständlicherweise – oft emotionale Komponenten, handelt es sich bei KMUs oft um Lebenswerke. Nicht selten vergleichen unsere Mandanten den Verkauf des Unternehmens mit der «Weitergabe ihres Babys». Diesem Umstand muss bei der Preisbemessung ebenfalls Rechnung getragen werden.

Die Aussensicht: Der Wert für den Käufer

Nicht zuletzt spielt auch die Preiseinschätzung des Käufers eine zentrale Rolle. Denn schlussendlich entscheidet der Käufer – oder anders ausgedrückt: der Markt – was er bereit ist, für das Unternehmen zu bezahlen. Ein Käufer analysiert die Chancen und Risiken akribisch und kommt häufig auf einen etwas tieferen Wert als der Verkäufer. Für ihn stellt auch die Kaufpreisfinanzierung eine Hürde dar, infolgedessen wird er auch das Unternehmen eher konservativ bewerten und einen vorsichtigen Ansatz wählen. Die wichtige Frage nach der Finanzierung sollte bereits in einem frühen Stadium des Prozesses beantwortet werden. 

Wie Sie sehen, ergeben sich aufgrund dieser drei verschiedenen Perspektiven unterschiedliche Werte. Ich habe persönlich bereits die verschiedensten Situationen erlebt, in denen Emotionen überhand über die Rationalität genommen haben. Umso weiter die Erwartungen der Parteien auseinanderliegen, umso grösser ist die Frustration. Deshalb möchte ich Ihnen aus meiner Erfahrung drei Tipps auf den Weg geben: 

  • Lassen Sie Ihr Unternehmen neutral bewerten

Um Missverständnisse zu vermeiden und eine realistische Erwartungshaltung zu schaffen, empfiehlt es sich, eine neutrale Bewertung durch eine externe Drittpartei durchführen zu lassen. Unabhängig davon, ob Sie Eigentümer, ausscheidender Gesellschafter, Minderheitsaktionär, Manager oder externer Kaufinteressent sind: Involvieren Sie die entsprechenden Parteien von Anfang an und schaffen Sie dadurch ein gemeinsames Verständnis.

  • Stellen Sie sich die Frage: Was für Möglichkeiten hat der Käufer und welches Ziel verfolgt der Verkäufer?

Wie bereits erwähnt, ist die Frage nach der Finanzierung ein Punkt, der in den Gesprächen zwischen Verkäufer und Kaufinteressent schon früh thematisiert werden sollte. Wenn Sie ein Käufer sind: Verfügen Sie über genügend Eigenkapital, um eine Firma zu kaufen? Haben Sie bereits verschiedene Möglichkeiten geprüft? Wenn Sie ein Verkäufer sind, ist der finanzielle Aspekt natürlich auch sehr wichtig. Aber gibt es noch andere Faktoren, die Sie berücksichtigen sollten? Ist Ihr Unternehmen nachhaltig aufgestellt?

  • Kommunizieren Sie!

Meiner Erfahrung nach ist dies der wichtigste Punkt. Seien Sie transparent, erarbeiten Sie gemeinsam mit dem Käufer mögliche Zukunftsszenarien, teilen Sie Ihre Erwartungen offen mit und zögern Sie nicht, sich Unterstützung ins Boot zu holen. Denn ein Verkaufsprozess ist auch auf emotionaler Ebene sehr herausfordernd.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, den Wert eines Unternehmens zu bestimmen. In erster Linie kommen die verschiedenen theoretischen Methoden zum Einsatz. Darüber hinaus nehmen aber häufig auch emotionale Aspekte eine zentrale Rolle ein und dürfen daher nicht vernachlässigt werden. Bei der Ermittlung des theoretischen Werts muss immer auch den Erwartungen des Verkäufers und den Möglichkeiten des Käufers Rechnung getragen werden. Und was nicht vergessen werden sollte: Eine Firmenbewertung ergibt sich aus einer Analyse, während dem der Verkaufspreis das Ergebnis eines gesamtheitlichen und komplexen Übergabeprozesses ist.

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Arnaud Touron ist Senior Consultant in unserem Team Westschweiz.

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