Geschichten und Gesichter
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Geschichten und Gesichter Firmenverkauf während und nach COVID19

Wir haben unseren CEO, Paul Monn, zu seiner aktuellen Markteinschätzung und zur Verkäuflichkeit von KMU während diesen besonderen Zeiten befragt.

Paul Monn - CEO der Business Broker AG
Paul Monn - CEO der Business Broker AG

Paul Monn, wie schätzt du den Markt für KMU in der Schweiz aktuell ein? Werden in dieser aussergewöhnlichen Situation überhaupt Firmen verkauft / gekauft?

Paul Monn: «Die Situation ist für uns alle aussergewöhnlich und in unterschiedlicher Art und Weise einschneidend. Niemand konnte ein solches «Ereignis» mit diesen globalen Folgen voraussehen, geschweige sich darauf vorbereiten. Insbesondere auch KMU haben schwierige Monate hinter sich. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass mittlerweile der Optimismus überwiegen sollte. Es gibt trotz allem eine stattliche Anzahl Unternehmer, welche die Krise zur besseren Positionierung ihrer Firma nutzen und sogar einen wahren Boom erleben. Wer einzigartig ist, ein robustes Geschäftsmodell hat, über Wettbewerbsvorteile verfügt oder eine nachgewiesene Erfolgsbilanz ausweist, dem gehört nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft.

Und ja, es besteht eine Nachfrage nach KMU und es werden auch nach wie vor Unternehmen verkauft. Während des Lockdowns konnten wir rund ein halbes Dutzend Firmen verkaufen. In den drei Monaten März bis Mai waren es gar 14 Unternehmen. Und dies zu regulären Konditionen und nicht etwa zum Ausverkaufspreis. Verkäufer und Käufer sind nach der anfänglichen Hektik zu Beginn des Lockdowns erstaunlich ruhig und sachlich geblieben, was mir sehr imponiert hat. Vereinzelte Verschiebungen von Transaktionen sind eingetreten, meist aufgrund geänderter Anforderungen seitens der finanzierenden Banken. Diese zeitweise herrschende Kreditklemme ist zwischenzeitlich bewältigt und wir stellen fest, dass Unternehmenskäufe wieder finanziert werden. Käuferseitig ist die Nachfrage entsprechend nur kurzzeitig eingebrochen, als sich vermutlich viele Personen, sei es privat oder geschäftlich, erst in den neuen Modus einfinden mussten. Mittlerweile hat sich die Nachfrage fast wieder auf dem Niveau vor der Krise eingependelt.

Wenn wir auf die laufenden Verkaufsprozesse blicken, so mussten diese natürlich stellenweise den Umständen angepasst werden. So haben beispielsweise die Verhandlungsgespräche zwischen Verkäufer und Kaufinteressenten vorwiegend virtuell stattgefunden. Bei zwei Transaktionen haben sich die beiden Parteien sogar erst an der Vertragsunterzeichnung zum ersten Mal «in Echt» gesehen. Das ist schon sehr speziell.»

Bei zwei kürzlich abgeschlossenen Transaktionen haben sich Verkäufer und Käufer bei der Vertragsunterzeichnung zum ersten Mal «in Echt» gesehen.

Wie wirken sich die wirtschaftlichen Folgen von COVID-19 auf die Verkäuflichkeit eines KMU aus?

Paul Monn: «Das ist ganz unterschiedlich, mehrheitlich wirken sich die Folgen von COVID-19 kurz- und mittelfristig negativ auf viele Unternehmen aus. Pauschale Aussagen sind jedoch nicht möglich, da jedes Unternehmen individuell betrachtet werden muss. So sind die wirtschaftlichen Folgen je nach Branche und Verfassung des Unternehmens in positiver wie auch negativer Hinsicht einschneidend. Wir sehen aktuell KMU, die sich vor Aufträgen kaum retten können, das Personal aufstocken und die Gewinne steigern. Auf der anderen Seite gibt es aber leider auch Unternehmer, die sich mit einer geordneten Liquidation befassen müssen. Viele waren schlicht und einfach nicht auf derartige Aussenwirkungen vorbereitet und nicht genug agil und krisenresistent aufgestellt. Diese Punkte müssen zukünftig in vielen Unternehmen deutlich mehr Beachtung erhalten. Man sollte immer einen Plan B oder C in der Schublade haben. Das ist Teil der wichtigen strategischen Arbeit, die in KMUs leider oftmals zu kurz kommt, weil die Ressourcen auf die operative Tätigkeit konzentriert werden.

Viele KMU waren schlicht und einfach nicht auf derartige Aussenwirkungen vorbereitet und nicht genug agil und krisenresistent aufgestellt.

Erfreulicherweise scheint aber der Grossteil unserer Mandanten die Krise gut wegzustecken. Nach dem ersten Schock haben etwa aufgeschobene Projekte wie Digitalisierungsbestrebungen neuen Schub erhalten. Dieses «Über die Bücher gehen müssen» ist für viele sicherlich eine Chance. Da hat die Krise also durchaus auch ihre positiven Effekte. Natürlich werden in vielen Fällen Umsatzeinbrüche im Jahr 2020 sichtbar sein, allerdings werden diese für einen Käufer auch erklär- und nachvollziehbar sein.»

Viele KMU-Unternehmer haben sich für einen COVID-Kredit entschieden und / oder Kurzarbeit angemeldet. Wie wirkt sich das konkret auf einen geplanten Unternehmensverkauf (und oder den Wert einer Firma) aus? Was muss beachtet werden?

Paul Monn: «Diese Antwort muss ich zweiteilen. Es ist zwischen dem COVID-Kredit und der Kurzarbeit zu unterscheiden. Die ‘Verordnung zur Gewährung von Krediten und Solidarbürgschaften in Folge des Coronavirus’ schreibt vor, dass die Ausschüttung von Dividenden und Tantiemen sowie das Zurückerstatten von Kapitaleinlagen während der Dauer der Solidarbürgschaft durch den Bund ausgeschlossen sind. Dadurch werden Akquisitionsfinanzierungen, die mehrheitlich durch eine Akquisitions-Holding-Struktur finanziert werden, verhindert. Aktuell sind keine Ausnahmen erlaubt oder in Sicht. Somit kann ein COVID-Kredit faktisch tatsächlich zu einem Verhinderungsfaktor für einen Firmenverkauf werden.

Die Kurzarbeit dient dem Erhalt der Arbeitsplätze als Alternative zu drohenden Entlassungen. Bei einem gesunden Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell ist die Kurzarbeit ein gutes Instrument, das einen neutralen oder gar positiven Effekt auf einen anstehenden Verkauf haben kann. Der Arbeitgeber vermindert die Kosten der Personalfluktuation – also Einarbeitungskosten, Verlust von betrieblichem Know-how etc. – und behält die kurzfristige Verfügbarkeit über die Arbeitskräfte. Die Arbeitnehmer erhalten ihren Lohn und mehr Sicherheit. Wir begleiten aktuell Kunden, die den Geschäftsgang inklusive der Kurzarbeit als sinnvolles Instrument zur Bewältigung der Krise ausweisen und somit in den Endverhandlungen beim Verkauf keine Einbussen hinnehmen müssen.»

Sollen Unternehmer, welche die Nachfolgeregelung angehen wollten, nun lieber noch zwei, drei Jahre zuwarten oder trotz der Krise in die Umsetzung übergehen?

Paul Monn: «Grundsätzlich, und auch mit Blick zurück, hat es sich selten gelohnt, zu warten. Wenn man sich für einen Verkauf entschieden hat, sollte man das Vorhaben angehen und nicht hinauszögern. Unsere Erfahrung aus der jüngsten Zeit zeigt, dass die Nachfrage nach Unternehmen da ist. Sicherlich gewinnen im jetzigen Marktumfeld sogenannte Earn-out-Komponenten noch mehr an Bedeutung. Die Earn-Out-Klausel definiert in einem Kaufvertrag jenen Anteil des Kaufpreises, der zu einem späteren Zeitpunkt erfolgsabhängig bezahlt wird. Dieser Preisbestandteil kann beiden Parteien, Verkäufer und Käufer, eine gewisse Sicherheit für den Verkauf und für die Zukunft geben.

Im jetzigen Marktumfeld gewinnen sogenannte Earn-out-Komponenten noch mehr an Bedeutung.

Zu den Preisen möchte ich noch festhalten, dass diese im KMU-Sektor, insbesondere bei den K- bis mittleren M-Unternehmen, allgemein relativ stabil sind und das voraussichtlich auch bleiben. Dieser Sektor kennt im Allgemeinen keine grossen Schwankungen, was im aktuellen Umfeld äusserst hilfreich ist. Der Preis sollte ergo kein Entscheidungsfaktor gegen einen Unternehmensverkauf sein.

Je nach Konstitution des Unternehmens empfehle ich persönlich sogar, die Nachfolgeregelung umgehend anzugehen. Zum einen hat die übernehmende Partei keine Erinnerung an die sogenannt guten Zeiten und zum anderen mehr Motivation und Ausdauer, die grosse Herausforderung im aktuellen Umfeld anzugehen. Vergessen Sie auch nicht, dass wir alle nicht wissen, ob es in zwei bis drei Jahren überhaupt besser aussieht. Können und wollen Sie diese Unsicherheit in Kauf nehmen? Wir empfehlen, sich trotz Unsicherheiten mit dem Thema zu befassen, denn Krisen beinhalten immer auch Chancen. Auch wenn die erträumte Wunschlösung nun vermeintlich unerreichbar wird, so hilft Ihnen ein erfahrener Verkaufsberater, ebenso attraktive Alternativlösungen zu erarbeiten. Und da wir wirklich alle von dieser Ausnahmesituation betroffen sind, bin ich überzeugt, dass sich eine Art gemeinsames Verständnis einstellen und die Krise so bewältigt werden wird.»

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Datum
Autor
Business Broker AG
URL
https://www.businessbroker.ch/de/aus-der-praxis/geschichten-und-gesichter/158/firmenverkauf-waehrend-und-nach-covid19